Ausflug in die Handchirurgie

Wie der Titel schon sagt, hatte ich heute eine Verabredung mit dem örtlichen Handchirurgen. Handchirurgen sind mir ja nicht wirklich fremd und ich bin gerne dort ;-) Also Rezept abgeholt (wir haben ein neues Quartal), in den Wartebereich gesetzt und gewartet. Ich muss dazu sagen, dass unser Handchirurg keine eigene Praxis hat, sondern im Krankenhaus – genauer gesagt in der Notaufnahme – praktiziert. Ich hatte meinen Termin 12:15 Uhr und war schon eher da, musste dann aber bis 12:30 warten, bis ich überhaupt angemeldet wurde. Die Wartezeit war aber sehr kurzweilig, weil die Mitwartenden (ein Mann mittleren Alters, eine Frau Ende 50 und ein älteres Ehepaar) ihre Krankengeschichten nacheinander vortrugen und ihre Erfahrungen mit verschiedenen Ärzten, Kliniken und Behandlungsmethoden austauschten. Danach wechselten sie sich ab zu erläutern, wer wie im Alltag eingeschränkt ist und wer wieviel zu leisten hat. Sie überboten sich wirklich gegenseitig. Für mich hat die ältere Frau, die nur ihren Mann begleitete, aber selbst irgendwie auch etwas mit den Händen hat, gewonnen: Sie hat Ostern 25 Leute zu versorgen (backen und kochen, aber den gefüllten Bienenstich hat sie bei Rewe gekauft ;-)). Vom medizinischen her ging es wohl dem, der am wenigsten gejammert hat am schlechtesten, aber das ist ja meistens so! Mich hat glücklicherweise niemand gefragt! Ich kam mir mit meiner Sehnenscheidenentzündung, Ganglion und Karpaltunnensyndrom (letzteres nur rechts) etwas fehl am Platze vor.

Als dann alle weg waren und die Stimmung im Keller war kam ich endlich dran. Und so fehl am Platz wie ich mich fühlte wurde ich auch behandelt. Der Chirurg hatten scheinbar schon sehnsüchtig auf mich gewartet (ich musste noch 3 Betten in der Notaufnahme den Weg frei machen!), hörte er mich kurz an und meinte dann karg: „Bei Schwangeren und Stillenden wird nichts operiert, das heilt in 99% der Fälle selber aus.“ Oha, weiß er etwas, was ich nicht weiß ;-) Er schloss wohl vom „Was machen sie beruflich“, „Elternzeit“ auf stillen und kurz nach der Entbindung – ich hätte Johanna mitnehmen sollen ;-) Ich sagte ihm, dass ich weder schwanger bin, noch stille und ich bitte wieder meine Hände benutzen möchte.

Ja, man kommt schon irgendwie durch den Alltag und die Beschwerden sind auch nur schubweise, dann aber sehr schlimm, aber bisher konnte ich mich irgendwie arangieren: Auf dem Boden wickeln, mehr mit links machen, nichts schweres heben, keine Gitarre mehr spielen, Handarbeiten sehr einschränken, ergonomische Tastatur kaufen usw. Aber manchmal kann man eben nicht anders und muss das Kind tragen oder die schwere Pfanne auf dem Herd hochheben.

Der Arzt empfahl mir die Handgelenke mit Schmerzgel einzucremen, zu kühlen und wenn es anfängt auch nur wenig weh zu tut, gar nichts mehr zu machen. Als ich das hörte, lief mein Leben Alltag an mir vorbei und ich fragte mich ernsthaft, wie das wohl gehen sollte. Jedenfalls musste ich sehr entsetzt geguckt haben, denn eigentlich war er mit seiner Rede fertig und ich blieb nachdenklich sitzen. Er wartete, ich wartete, wir warteten. Dann fragte er höflich, ob mir seine Antwort nicht gefiele und ich nickte nur. Eigentlich hatte ich schon innerlich aufgegeben und war eher mit der Frage beschäftigt, ob ich jemals meine Hände wieder normal benutzen könnte. Dann erzählte ich ihm doch noch voller Mut, dass ich die Beschwerden schon seit 5 Jahren habe, es also nichts mit meiner Schwangerschaft, Stillzeit oder meinem Hormonhaushalt zu tun haben könne und ich auch schon für mehrere Wochen (mit Unterbrechungen) einen Gips tragen musste. (Damals hatte das wirklich sehr geholfen, da man selber die Hand nie so richtig ruhig gestellt bekommt.) Und dann waren auf einmal die Fronten geklärt: Ich möchte nicht um jeden Preis operiert werden und er möchte nicht um jeden Preis operieren. Wenn man natürlich irgendwann operieren muss, dann muss man das tun und bevor ich meine Hände ewig alle 2-3 Wochen für 3-4 Wochen schonen muss (was wirklich unmöglich ist mit einem sehr mobilen und sehr eigensinnigen Kind), dann nehme ich das mit allen Risiken in Kauf. Jetzt hat er erst einmal Ruhigstellung durch Bandage empfohlen. So ein Gips ist ja nicht nur lästig, sondern auch total unpraktisch und einschränkend.

Nach den Osterferien gehe ich also mit dem Zettel zu meiner Hausärztin und hoffe, dass ihr Budget für das neue Quartal dann noch etwas Luft hat und die Bandage besser stützt und hilft.

Liebe Grüße, eure Nicole

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